• Sébastien Etter

Von Projekten zu Produkten

Updated: Nov 11, 2019

Projektdenken: Das Projekt im Fokus

Traditionellerweise wird in vielen Unternehmen und Organisation nach dem Prinzip des Projektdenkens gearbeitet. Ein zu erreichender Output wird definiert und die dafür notwendigen Ressourcen und Zeit festgelegt. Das Projekt wird dadurch relativ gut überschaubar und nachvollziehbar.


Dabei setzen die Prozesse den einzuhaltenden Rahmen des Projektes und schränken die Flexibilität und Möglichkeiten bereits früh ein. Problematisch wird dies vor allem, wenn Probleme oder Unerwartetes auftauchen. Kann der Projektplan nicht eingehalten oder muss aufgrund externer Einflüsse von diesem abgewichen werden, sind oft unzählige Meetings und ein Abstrich in der Qualität des Endresultates notwendig, um den Zeitplan und die Prozesse wieder einhalten zu können.


Produktdenken: Das Produkt im Fokus

Dem Projektdenken steht das Produktdenken gegenüber; eine Praxis, wie sie auch im Silicon Valley und in vielen europäischen Unternehmen vermehrt eingesetzt wird. Anstelle der geleisteten Arbeit und eingesetzten Ressourcen setzt bei Letzterem das Resultat und dessen Auswirkungen im Fokus. Im Vordergrund steht das Produkt, welches entwickelt werden soll und nicht der Prozess der Entwicklung.


Der grosse Unterschied der beiden Vorgehensweisen liegt in ihrem jeweiligen Fokus. Beim Projektdenken wird der Fokus auf den Prozess gelegt, beim Produktdenken auf konkrete Ergebnisse. Was soll mit einem Produkt erreicht werden und was soll das Produkt dem Kunden ermöglichen, sind konkrete Fragestellungen des Produktdenkens.

Entsprechend wird damit begonnen, die Probleme des Users zu identifizieren; ein gutes Produkt löst dessen bestehenden Probleme. Dies bedeutet aber nicht zwingend, dass Kunden direkt nach deren Bedürfnissen befragt werden sollen:


«Some people say, “Give the customers what they want.” But that’s not my approach. Our job is to figure out what they’re going to want before they do. […] It’s not the customer’s job to know what they want» – Steve Jobs

Das Vorgehen ist beim Produktdenken nicht durch vorgegebene Daten und Meilensteine eingeengt, es bietet deutlich mehr Flexibilität für das Erreichen des angestrebten Zieles. Insbesondere wenn Probleme auftauchen, erlaubt der grössere Spielraum das Endergebnis im Fokus zu behalten und Prozesse entsprechend anzupassen.


Projekt- vs. Produktdenken: Ein Beispiel

Die produktfokussierte Vorgehensweise lässt sich anhand eines konkreten Beispiels wohl am besten aufzeigen: Soll eine neue Website als Projekt oder Produkt gehandhabt werden?


Folgt man dem Projektprinzip, dann bildet die Neuentwicklung der Website ein in sich geschlossenes Projekt. Ist die Website entwickelt und gestaltet, ist das Projekt abgeschlossen. Es besteht entsprechend die Gefahr, dass die Website vernachlässigt wird, bis schlussendlich ein neues Projekt zu einer erneuten Neugestaltung lanciert wird.

Dieser Zyklus der Projekte wiederholt sich immer wieder, was jeweils mit hohen Investitionen verbunden ist. Zwar werden vergleichsweise viel laufende Kosten eingespart, die Investitionen für Neuentwicklungen übersteigen diese aber deutlich.


Beim Produktdenken wird die Website als Produkt behandelt. Dies bedeutet, dass die Website auch nach der initialen Entwicklung weiter genutzt und laufend überarbeitet wird. Das Bedürfnis nach Neuentwicklungen entfällt in Zukunft.

Da nur zu Beginn eine grössere Investition notwendig ist und danach “nur” laufende Kosten anfallen, beweist sich das Vorgehen nach Produktprinzip über die Dauer als die finanziell sinnvollere Lösung mit einer höheren Rentabilität. Zudem entsteht ein konstantes, über längere Zeit gutes Produkt.


Produktteams: Die Basis des Produktdenkens

Produktteams bilden eine wichtige Basis, um im Umfeld der digitalen Transformation das Produktdenken etablieren zu können. Der Fokus dieser Teams soll dabei weniger auf technischer und mehr auf strategischer Ebene liegen. Entsprechend werden solche interdisziplinären Teams nicht (nur) aus Entwicklern und IT-Spezialisten gebildet.


Zu den Aufgaben der/des Produktmanager/in gehört, die Bedürfnisse und Inputs verschiedener Anspruchsgruppen zusammenzuführen und in eine Produkt-Roadmap zu integrieren. Dazu gehört auch die Koordination mit (externen) Entwicklern und Designern oder die interne Kommunikation über Projekte und Produkte.


Produktdenken & Produktteams im SRK

Im SRK wird insbesondere in der Stabsstelle Digitale Entwicklung nach einigen der Prinzipen des Produktdenkens gearbeitet. Der Fokus liegt auf der Entwicklung von Produkten, welche Bedürfnisse von diversen Anspruchsgruppen befriedigen sollen.


Ganz konkret werden beispielsweise bei der Entwicklung des digitalen Fahrdienstes viele Grundsätze des Produktdenkens angewendet und umgesetzt. Das Ziel ist das Entwicklen und Anbieten eines kompletten Produktes, welches fortlaufend weiterentwickelt werden soll. Entsprechend werden der digitale Fahrdienst, bestehend aus mobiler Applikation und den dafür benötigten APIs (Programmierschnittstellen zum Austausch von Daten und Informationen zwischen Computerprogrammen), als Produkt und nicht einfach als abzuschliessendes Projekt gehandhabt.


Grafiken inspiriert von Mob Lab

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